Was ist ein STB Spezialzuchtrichter
Ein Spezialzuchtrichter ist eine Mischung aus allen Menschen, zusammengesetzt aus Unfehlbaren und Sündenböcken, aus Staub und Göttlichkeit. Er ist schlicht ein notwendiges Übel im Zuchtgeschehen. Wenn es möglich wäre, hätten die Vereine ihn schon längst gegen einen Roboter ausgetauscht. Vor Beginn der SONDERZUCHTSCHAUVERANSTALTUNG wird er mit „Herr Zuchtrichter“ angesprochen, und wenn sie vorbei ist, wird er hinter seinem Rücken mit „Idiot“ bezeichnet, der noch selbst keinen Hund richtig jemals ausgebildet oder geführt hat.
Er soll diplomatisch richten, dass jeder Hundeführer glaubt, er sei gut bewertet worden. Richtet er etwas milde, heißt es, er ist eine „Pflaume“, richtet er korrekt, ist er brutal. Ist er adrett angezogen, meint man, er ist eingebildet; trägt er keine Krawatte, ist er ein Prolet. Gibt er einer Hundeführerin Platzierungsvorzug, hat er verliebte Augen. Lässt er den nicht zufassenden Hund eines Jugendlichen ohne Platzierung, sabotiert er den Nachwuchs. Übersieht er geschickte Kosmetikhilfe, ist er ein Trottel, sieht er sie alle, ist er ein Kleinigkeitskrämer.
Beanstandet er ein zu kleinen Ring oder die schlecht ausgefüllten Prüfungsunterlagen, heißt es, andere Zuchtrichter waren immer mit uns zufrieden. Verbellt ihn bei der Standbewertung mal versehentlich ein Hund, denkt alles, hoffentlich fasst er ihn am Hosenbund.
Mitunter flüstert der Vorstand:
Wir legen Wert auf die Vorzugsbewertung oder gar der Zuchtzulassung von “… von der Aktiengesellschaft”, sein Herrchen ist unser Gönner. Die Gehilfen des Zuchtrichters machen das objektive Richten oft schwer, die Helfer machen zünftige „Scheinbemerkungen“, der Sonderleiter lenkt ab mit Gerede, es sind wohl Gehilfen, doch nur für den Hundehalter.
Er geht am Veranstaltungstag um 6 Uhr aus dem Haus und kehrt bald nach der Siegerehrung gegen 18 Uhr heim. Es war ein „vergnügter“ 12 • Stunden • Tag, dazu verdreckt das Schuhzeug, durchnässt die Garderobe, der Regenschirm oder der Hut blieb zurück im Klubhaus als „Souvenir“, dazu noch den Bauch voller Ärger. Am nächsten Sonntag ist alles vergessen, und er richtet fröhlich weiter, denn mit Humor ist auch das Amt eines Spezialzuchtrichters zu ertragen.
Die Frage:
Nach Jahren hat sich wohl kaum etwas geändert. Es darf nachgedacht, aber auch geschmunzelt werden.
