Hund auf Zeit
In den USA können Tiere gemietet werden – Kunden müssen Test bestehen
Zwei Drittel aller US-Haushalte haben ein Haustier. Jetzt können sich Hundeliebhaber, die sich aus Platz oder Zeitgründen keinen Hund anschaffen wollen, einen vierbeinigen Freund ins Haus holen auf Zeit.
Die amerikanische Firma Flex Petz vermietet Hunde wie andere Firmen Autos vermieten oder DVD’s verleihen. Im Flex Petz-Angebot sind unter anderem Afghanen, Boston Terrier und ein Labrador. Jeder interessierte Kunde muss sich einem Hintergrund-Check unterziehen, um sicherzugehen, dass
kein Tierquäler oder verkappter Hundehasser ist. Außerdem muss einen Hundehalterschein ablegen.
„Wir bestehen auch darauf, den Hundehalter auf Zeit persönlich zu treffen und zu befragen, bevor wir ein Tier in seine Obhut geben“, sagt Firmengründerin Marlena Cervantes.
Damit der Hund nicht verloren geht, trägt er ein Halsband mit GPS-Ortungschip. Tierschützer finden die Hunde-Leasing Idee furchtbar, weil wechselnde Besitzer auf Dauer psychische Störungen bei einem Hund verursachen würden. Doktor Kat Miller von der amerikanischen Tierschutzorganisation ASPCA teilt solche Bedenken:
„Die Tiere werden behandelt wie Mietautos. Und wie achtlos man mit denen umgeht wissen wir.“
Wenn die Flex Petz-Hunde nicht bei ihren Teilzeitbesitzern sind, werden sie in einer Art Hundetagesstätte untergebracht. Und erhalten dort laut der Firmengründerin beste Betreuung und gute Verpflegung. Marlena Cervantes holt ihre Tiere - meist im Welpenalter - vom Tierheim und trainiert früh den Umgang mit Zweibeinern aller Art. „Wir achten darauf, dass die Tiere eine soziale Ader haben. Wir gewöhnen sie an den Umgang mit alten Menschen, Kindern oder Babys, die Hunde gerne mal am Ohr ziehen oder Pfötchen-Geben spielen wollen.“
Um einen Hund zu mieten, muss man Mitglied bei Flex Petz werden. Mitglieder können einen Hund für ein paar Stunden oder bis zu maximal sieben Tagen mieten. Grundgebühren von umgerechnet 73 Euro, ein monatlicher Mitgliedsbeitrag von 36,60 Euro und Miettarife von etwa 18 Euro pro Tag gehen ins Geld:
pro Jahr bis zu 900 Euro. Die Vereinigung der amerikanischen Haustierfutter-Hersteiler hat errechnet, dass ein konventioneller Hundehalter im Jahr Kosten von umgerechnet nur etwa 775 Euro hat.
Flex Petz-Kunden zahlen vor allem für den Luxus, einen Hund zur Verfügung zu haben, wenn sie mal Gesellschaft beim Sonntagsspaziergang suchen oder mit einem Rassehund im Park Eindruck schinden wollen - ohne sich langfristig Verantwortung für das Tier aufzuhalsen. „Ich gebe meinen Kunden Gelegenheit. ihre Tierliebe auszuleben - wenn es auch nur auf Zeit ist“, meint Flex Petz Chefin Cervantes. Ihr Geschäftskonzept scheint aufzugehen. Neben dem Hauptgeschäft in New York gibt es Filialen in Los Angeles und London. Neue Zweigstellen in San Francisco, Boston, Washington, D.C und Paris evtl. auch in Deutschland sind geplant.
