Fachtheoretiker bestimmen Bernhardinerszene
Macht macht einsam, auch im Verein:
Man uebernimmt die Abteilung und aus Kollegen werden Feinde. Ist man zu lieb, wird man ausgenutzt. Ist man zu autoritaer, demotiviert das die Mitarbeiter. Es braucht Fingerspitzengefuehl, sagen die… . und gute Nerven.
Eine Wahl in die Vorstandsetage ist die Kroenung in der Mitgliederkarriere.
Dann heisst es:
-Ab morgen fuehrst du das Team!- Doch wie man Mitglieder bei Laune haelt und Teams zum Erfolg fuehrt, haben die wenigsten gelernt. Der Wind, der jungen Chefs entgegenschlaegt, ist oft eisig. Ploetzlich haben sie nicht mehr ausschliesslich Fachaufgaben zu loesen. Sie muessen sich tagein tagaus mit Mitgliedern auseinandersetzen, die ihren ganz eigenen Kopf haben.
Zwischenmenschliches wird zur Dauerbelastung. -Ich konnte kaum noch inhaltlich arbeiten- klagt manch Jungvorstand der ein Team in der Groesse einer Schulklasse fuehrte. Nicht weniger als 30 Mitglieder sollte er anleiten und zugleich fuer ihre Arbeit Verantwortung uebernehmen. 80 Prozent der Zeit musste ich für Teammeetings, themenspezifische Meetings und nicht zuletzt für Probleme zwischen den Vorstandskollegen aufwenden, sagt der junge Fachwart. Die meisten Pannen resultieren nun mal aus Kommunikationsproblemen, da ist der Chef gefragt.
Als Jungvorstand, der sich selbst als eher sachlichen Typ beschreibt, kam er mit seinem Wunsch nach einem kooperativen Arbeitsstiel nicht so richtig an. Ich bin nicht so emotional im Umgang mit den Mitgliedern. Das hat Missverstaendnisse provoziert, sagt er. Selbst scheinbare Banalitaeten brachten Unruhe in die Mannschaft. Natuerlich habe ich das Team nach Vorschlaegen dazu befragt, habe parallel auch selbst Ueberlegungen angestellt. Nach 2 Jahren musste er sich anhoeren, er sei an der Meinung des Teams ja doch nicht interessiert gewesen. Mittlerweile hat er die Vorgesetzten-Rolle wieder abgegeben und ist wie frueher als Fachwart taetig.
Chef-Bashing hat Konjunktur auf den Vereinsfluren, in den Vereinsheimen und in Kneipen. Die Beschimpften schweigen. Denn wer auf der Karriereleiter klettert, gibt sich ungern eine Bloese. Das Unvermoegen von Fuehrungskraeften, ihre Mitarbeiter angemessen anzuleiten, zu motivieren und zu foerdern, ist somit eines der grossen Tabus am Vorstandsplatz ausgeprägt in der Bernhardinerfuehrungsszene. Viele Fuehrungskraefte suchen heimliche Hilfe bei Coaches, in der heutigen Zeit sind auch Psychologen nicht wegzudenken.
Loslassen und delegieren, vertrauen und doch kontrollieren
Als professionell gelten in der Fuehrungsebene Mitarbeiter, wenn sie menschliche Reife, Souveraenitaet, Selbstreflexion, Klarheit, Verlaesslichkeit, Bescheidenheit und Staerke verkoerpern. Manche Aufsteiger sind Naturtalente, andere lernen muehsam durch Fehler, sofern sie diese dann eingestehen. Wieder andere lernen nie und sorgen damit fuer das schlechte Image der Vereinsfuehrung.
Der Druck auf die Verantwortlichen ist hoch. Denn dass die untergeordneten Kollegen ihren Chef tatsaechlich –austesten wie Kinder ihre Eltern- damit rechnet zunaechst kaum ein Vorgesetzter. Mitglieder verwechseln gerne ihre Vorgesetzten mit den Autoritaeten der Kindheit. Sie verweigern den Gehorsam, glauben, dass ohne Chef alles besser laufen koennte, oder sie sind davon besessen, gerade diesen einen doofen Chef loswerden zu muessen.
Mit nur 26 Jahren uebernahm ein Aufsteiger seine erste Chefrolle. Blutjung, wie er damals war, machte er eine ueberraschende Erfahrung. Vor allem aeltere Mitglieder beaeugten ihn nicht nur besonders kritisch, sie erwiesen sich auch als ausgesprochen clever, wenn es um die Vermeidung von Arbeit ging. Mit Saetzen wie –das kann ich nicht, oder das ist doch dein Job- landeten Aufgaben, die sie eigentlich erledigen sollten, wieder auf seinem Schreibtisch. Der zog seine erste, etwas bittere Lehre, dass er sich naemlich seine Wunschrolle als Freund der Mitglieder abschminken konnte.
Ich wusste nicht, wie man sich durchsetzt, sagte er. Nachdem ihm eher vorsichtige Ansagen – durch die Blume- und –kumpelhaftes Verhalten- als Schwaeche ausgelegt worden waren, entschied er sich schließlich fuer eine andere Haltung.
Ein heutiger Jungvorstand beschreibt seine Situation so:
Als Chef habe ich Erwartungen, und die muessen erfuellt werden. Also muss ich klar formulieren. Es gibt Standart-Widerstaende gegen die alltaegliche Arbeit. Da wird gefeilscht wie auf dem Basar. Daher gebe ich klipp und klar vor, was bis wann fertig sein muss. Den Weg der konkreten Umsetzung, wer genau was macht, ueberlasse ich aber dem Team. Denn wenn die Mitglieder selbst den Loesungsweg festlegen, dann fuehlen sie sich eher in der Verantwortung.
Gute Laune im Verein, gute Leistung incl. –das hat für Karrieremenschen ihren Preis-. Die Fuehrungsrolle ist einsam, jedoch ist es so, dass man nur bedingt zum Team gehoert. Erst das schafft die Freiheit fuer Anordnungen, Lob und Tadel. -Fuehrungskraefte muessen es aushalten, dass sie mit ihren Aussagen und Urteilen ein Mitglied auch einmal kränken-. Man sollte jedoch das Band zwischen Fuehrung und Mitgliedern nie zerreißen lassen. Wer nach dem Karriere-Kick in den Wolken schwebt, verliert die Bodenhaftung. Man sollte sich als Chef nicht so wichtig nehmen, man erfuellt naemlich nur seine Aufgaben, ohne Mitglieder ist der Verein nichts.
VORSTANDS-MACHER
WAS HABE ICH ZU TUN
Zunaechst die kuenftige Rolle mit dem eigenen Vorgesetzten klaeren. Als neue Fuehrungskraft muss man wissen, wofuer man verantwortlich ist und wofuer nicht. Zielsetzungen, Budgets und Zeitrahmen usw. sollten mit der LG genau festgelegt werden.
MIT WEM HABE ICH ZU TUN
Frischgebackene Fuehrungskraefte sollten ausfuehrlich bei ihren Mitarbeitern hospitieren, beobachten, nachfragen und sich mit ihrem Team beschaeftigen. So werden sie deutlich weniger Aengste und Widerstaende gegen -den Neuen- hervorrufen. Beim Start in den Vorstand -Chef sollte man versuchen, moeglichst viele Leute -wenn auch kurz- zu treffen.
Ein Plan kann helfen:
Wen sollte ich innerhalb der ersten Tage unbedingt aufsuchen?
WAS HAT DAS TEAM ZU TUN
Gegenueber den Mitgliedern sollten die neuen Fuehrungskraefte von der ersten Minute an Akzente. setzen: Wohin moechte ich das Team oder den Einzelnen bringen? Will ich delegieren oder anweisen? Eine Gefahr fuer junge Chefs (Vorstand) besteht darin, zu lieb zu sein und es jedem recht machen zu wollen. Mitglieder nutzen das gern aus. Als Chef muss man Mitarbeitern Verantwortung uebergeben, aber auch die eigenen Aufgaben kennen und beispielsweise bei delegierten Projekten nach einer gewissen Zeit mal nachhaken.
WAS DARF ICH NICHT TUN
Fuer Chefs gilt: Ruhig bleiben! Alles andere verunsichert das Team und die Fuehrungskraft selbst. Fuehren durch Drohen und Machtausuebung bringt als alleiniges Fuehrungsmittel wenig. Es ist haeufig Ausdruck von Ohnmacht und widerspricht einer einfachen psychologischen Regel: Je mehr die Fuehrungskraft -Unmoegliches- aus dem Bauch heraus fordert, desto mehr blockiert das Vereinsmitglied. Wer als Chef einen offensichtlichen Fehler gemacht hat, sollte sich entschuldigen. Die Botschaft, die er damit implizit gibt, ist: -Auch der Chef gesteht Fehler ein. Sollte ich als Mitglied einmal etwas verhauen, kann auch ich das ruhig eingestehen.-
WAS KANN ICH FUER MICH TUN
Altmitglieder brauchen ein Netzwerk von Kollegen auf gleicher Ebene zum persoenlichen Erfahrungsaustausch. Ein generationenuebergreifendes Netzwerk ist z.Bsp. der
STB STAMMTISCH DER FOERDERER.
Manch Altvorstand sollte erkennen, wann seine Zeit zum Uebergeben gekommen ist, bevor dieser zum Gehen freiwillig gezwungen wird. Genau hier liegt der Zuendstoff gegenueber Jungmitgliedern. Es wird bewusst versaeumt, diese in ihre Arbeit miteinzubeziehen.
